Flachs- und Leinenerzeugnung und -verarbeitung

Die in unserem Flachs- und Leinenhaus gezeigte Ausstellung über die Leinenherstellung ist mit umfangreichen Texten, Bildern und etlichen Exponaten ausgestattet. Sie bekommen einen Eindruck davon, wie mühselig es war, einen Leinenstoff herzustellen. Die Leinenherstellung war eine wichtige Nebenerwerbsquelle und somit das zweite Standbein neben der eigentlichen Landwirtschaft. Sie führte gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu beträchtlichem Wohlstand im Wendland. Die prächtigen Vierständerhäuser mit ihren geschnitzten Giebeln zeugen davon.

Die Flachs- oder Leinensaat wurde traditionell am 100.ten Tag des Jahres ausgebracht, also Anfang April. Bis aus der zart-blau blühenden Leinenpflanze gewebtes Leinen wurde, war eine Vielzahl von Arbeitsschritten notwendig. Es begann damit, dass das Feld nach der Aussaat bis zur Ernte absolut unkrautfrei gehalten werden musste. Ab Juli wurde dann geerntet. Um möglichst keinen Verlust zu haben, wurden die Leinenpflanzen nicht gemäht, sondern als Ganzes ausgerissen. Ähnlich wie beim Getreide wurden die Pflanzen dann in Bündeln zum Trocknen aufgestellt.

In der Baakstav wurde der im Wasser der Rötekuhle angerottete Flachs auf den Wänden aufgestellten Lattenrosten mit Hilfe eines kleinen Ofens (Spitschky genannt) gedörrt und anschließend der Flachs per Handbraake gebrochen.

Danach war es die langwierige und monotone Arbeit Tätigkeit des Spinners, die Flachsfasern zu Garn zu verdrehen. Sie fand überwiegend in der dunklen Jahreszeit statt. Seit dem 17. Jahrhundert waren dafür Spinnräder in Gebrauch. Das gesponnene Garn wurde auf Spulen gewickelt.

In beinahe jedem wendländischen Bauernhaus stand ein Webstuhl. Man webte Leinen für den eigenen Bedarf, vor allem aber für den Verkauf.

  • Webstuhl
  • Webstuhl
  • Spulenständer
  • Spulrad
  • Riffelkamm mit Flachs
  • Brechmaschine

Damals durfte Leinen nur verkauft werden, wenn es amtlich geprüft war. Um ein Gütesiegel der Aufsichtsbehörde, der sogenannten „Legge“ zu bekommen, musste man die gewebte Ware den Leggenmeistern in Lüchow, Wustrow, Bergen a. d. Dumme oder Dannenberg vorlegen. Bevor diese ihren Stempel auf den Ballen drückten, kontrollierten sie genau, ob das Material korrekt gesponnen und gewebt war. Die „Leggen“ im Wendland erzielten zeitweise den höchsten Leinenumsatz im ganzen Königreich Hannover.

Fotos: Boni Goldlücke, Archiv Rundlingsmuseum Wendland