Garnkugelhalter

Treuer Helfer in früheren Zeiten

Leider zum letzten Mal in dieser Saison: Ab dem 17. Oktober können Sie das neue „Exponat des Monats“ bei uns im Museum bestaunen. Diesmal handelt es sich um einen sogenannten Garnkugelhalter.

So eine Garn- oder Strickkugel war eine ganz praktische Sache: Sie verhütete ein Kuddelmuddel des Fadens und durch die obige Auslassöffnung kam der Faden stets verbrauchsgerecht heraus. Der Deckel ist aufklappbar, das Garnknäuel wurde hineingelegt, der Faden durch eine eigens dafür vorgesehene Öffnung im Deckel geführt und der Deckel wieder verschlossen. So wurde ein Wegrollen des Garnknäuels verhindert. Der ausgestellte Garnkugelhalter konnte am Fuß fest mit dem Untergrund – beispielsweise auf oder unter einem Tisch – verschraubt werden, andere Garnkugelhalter waren aus leichterem Material und wurden für unterwegs mitgenommen, etwa, wenn man zum Abendplausch zur Nachbarin ging.

Die Garnkugel ist aus einfachem Metallguss, was auf eine weite Verbreitung hinweist. Für die gehobeneren Bevölkerungsschichten gab es mit zierlichen Figuren bemalte Holzmodelle, die auch das Handwerk des Strickens ans sich würdigten. Sogar auf den Altären von Kirchen in Bolgona oder Buxtehude findet man Darstellungen von Maria als strickender Muttergottes: viel mehr Anerkennung dieser Tätigkeit ist ja kaum vorstellbar!

geschlossener Garnkugelhalter

Als alte Handwerkskunst ist auch heute noch das Stricken etwa von Schals oder Pullover weit verbreitet. Die Anfänge des Strickens liegen im Dunkeln, belegte Strickfragmente reichen bis in das 7.-9. Jahrhundert zurück. Schriftliche Erwähnungen vom Sticken als Gewerbe gibt es ab dem 13. Jahrhundert, für Deutschland sind die Nürnberger Hosen- und Stumpfstricker um 1600 n.Chr. die erste belegte Gilde.

Fotos: Klaus Mayhack

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