Themenwelten

Ja, wir sind ein Freilichtmuseum, wie jede Region eines hat. Aber: Bei uns in Lübeln wird es natürlich besonders wendländisch. Wie war das Leben im 18. und 19. Jahrhundert im Wendland? Was können wir lernen, sowohl vom Guten als auch vom Schlechten?

Hier ist zu erleben, wie es damals war, so zwischen 1700 und 1900, in den großen alten Zwei-, Drei- und Vierständerhäusern. Mit dem Vieh unter einem Dach und im Winter ordentlich Qualm in der Hütte, der den Schinken genauso räucherte wie die Lungen der Bewohner.

Es wurde Wendisch Platt gesprochen, das Schuhwerk bestand aus Holzpantinen und Haushalt und Wäsche waren Schwerarbeit. Die Landwirtschaft eine nasse Plackerei und der König saß in Hannover. Im 19. Jahrhundert brachte der Flachsanbau und die Leineweberei etwas Wohlstand ins Wendland, bevor es nach 1900 auch damit vorbei war.

Zu besonderen Anlässen trug man prächtige Trachten, die viel aussagten (über die Damen), und die Unterwäsche von damals ist heute ein echter Hingucker. Die Handwerker konnten richtig was, vom Schmied über den Bäcker bis zum Stellmacher; industrielle Fertigung lag fern. Auch wussten die Wendländer viel über die Natur und Heilpflanzen und wie man aus einfachen Rohstoffen hervor-ragende Erzeugnisse schuf. Die Arbeitstage waren lang und trotzdem nahm man sich die Zeit für reiche Ornamente selbst an Alltagsgegenständen.

Eine wunderbare Quelle sind frühe Fotografien, die das Wendland bereits ab Ende des 19. Jahrhunderts im Bild einfingen. „Damals im Wendland“ von Burkhard Kulow hat hier in jahrelanger, akribischer Arbeit ein einzigartige digitale Plattform errichtet; hier zwei Probehäppchen. Schauen Sie auch in unsere diesbezüglichen Hinweise.

Was war davor, wieso heißt das Wendland Wend-Land? Wer waren die Wenden, wo kamen sie her, wo sind sie geblieben, welche Spuren haben Sie bis heute hinterlassen?

In 2019 fand erstmals der „Wendentag“ bei uns statt. Holger Husemann hat dazu einen schönen Film gedreht:

Neben diesen beiden Themenwelten, die auch von überregionalem, ja internationalem Interesse sind (siehe UNESCO-Weltkuturerbe), steht auch das Handwerk von früher im Fokus: Erleben Sie unsere Museumshandwerker: Schmied, Bäcker, Stellmacher und Töpferin am Werk, wie sie traditionelle Techniken in die heutige Zeit übertragen. Manche speziellen vergessenen Künste können Sie auch in Kursen und Lehrgängen für zuhause erlernen, beachten sie unseren Kurs-Kalender.

Und: Zum Leben auf dem Lande gehörte wie seinerzeit anderswo auch eine weitgehende Autarkie in Sachen Lebensmittelerzeugung und – verarbeitung, die natürlich Land- und Gartenwirtschaft und die Haltung von Nutztieren als Nahrungs- und Kraftquelle voraussetzte. Welche Kenntnisse sind verloren gegangen, welche sollten wir wiederbeleben in einer Welt, wo jeder Zehnjährige digital herumzaubert, aber die meisten Dreißigjährigen nicht mehr wissen, wie man gescheit einen Garten betreibt, Hühner hält oder ein Schwein.

Diese Dinge zurückzuholen, kann gerade auf dem Lande ein wesentlicher Beitrag zu weniger Massenproduktion und weniger globalem Güterverkehr sein. Gerade in Sachen Lebensmittel, gerade in Sachen Tierhaltung und -transporte. Act local. Also Ärmel hochgekrempelt, und ab ins Rundlingsmuseum, um die guten alten Sachen zu lernen. Und zwar nur die guten, jedoch angereichert mit all dem guten neuen Wissen, das die Alten leider noch nicht hatten.

Leineschafe auf unserer Obstwiese